- Klangvielfalt des Akkordeons unter Beweis gestellt
Mit zwei erfolgreichen Konzerten innerhalb eines Wochenendes stellte das Akkordeonorchester Kolbermoor eindrucksvoll unter Beweis, wie facettenreich das Akkordeon sein kann. Nach dem Konzert am Freitag in der evangelischen Kirche in Kolbermoor begeisterte das Ensemble am Sonntag auch in der evangelischen Kirche in Brannenburg rund 100 Zuhörer. Trotz hochsommerlicher Temperaturen ließen sich die Besucher von der musikalischen Reise durch verschiedene Epochen mitreißen und spendeten langanhaltenden Applaus.

Passend zum „Jahr des Akkordeons“ hatte Dirigentin Karin Nesner, die das Orchester inzwischen im siebten Jahr leitet, ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Was für Akkordeonorchester nicht als Notenmaterial erhältlich ist, arrangiert sie häufig selbst – darauf wies Moderatorin Alexandra Frank-Klebe, selbst langjährige Orchesterspielerin, mit viel Charme und Witz hin. Ihre informativen und humorvollen Moderationen machten das Konzert zu einem kurzweiligen Erlebnis und vermittelten den Zuhörern viel Wissenswertes über die einzelnen Werke.

Den feierlichen Auftakt bildete „alla Hornpipe“ von Georg Friedrich Händel. Mit großer Dynamik und fein abgestufter Klanggestaltung nutzte das Orchester die hervorragende Akustik des Kirchenraums optimal aus und schuf einen würdigen Einstieg in den Konzertabend.
Einen deutlichen Kontrast setzte anschließend „Years of Solitude“ von Astor Piazzolla in einem Arrangement von Karin Nesner. Schon der Beginn überraschte durch rhythmische Klangeffekte, bei denen zwei Spieler allein mit den Balgfalten ihrer Instrumente präzise Geräusche erzeugten. Die zunächst melancholische Stimmung ließ die Einsamkeit des Titels spürbar werden, bevor das Werk in einem leidenschaftlichen Finale in Freude und Lebensenergie mündete. Gemeinsam mit dem ebenfalls von Nesner arrangierten Stück „Experience“ von Ludovico Einaudi gehörte dieses Werk zu den größten Überraschungen des Abends. Gerade die fein ausgearbeitete Dynamik sorgte bei vielen Zuhörern für echte Gänsehautmomente.
Mit dem anspruchsvollen Werk „Irische Suite“ von Mátyás Seiber stellte sich das Orchester einer großen musikalischen Herausforderung. In vier abwechslungsreichen Sätzen entführte das Ensemble sein Publikum auf eine Reise durch Irland – von temperamentvollen Tänzen über markante Rhythmen bis hin zu gefühlvollen Melodien, die an die Weite der grünen Landschaften erinnerten.

Ein besonderer Höhepunkt war das Medley aus der „West Side Story“. Bereits vor rund einem Jahr hatte das Akkordeonorchester dieses Werk für den internationalen Akkordeonwettbewerb „Tag der Harmonika 2025“ in Innsbruck intensiv einstudiert. Die damals erarbeitete Präzision war noch immer deutlich hörbar. Das hervorragende Zusammenspiel der Stimmen, die rhythmische Genauigkeit und die musikalische Ausdruckskraft zogen die Zuhörer spürbar in ihren Bann.

Nach diesem energiegeladenen Programmpunkt sorgte „Fields of Gold“ von Sting für einen ruhigen, beinahe schwebenden Moment. Mit großer Leichtigkeit und viel Gefühl verliehen die Musiker dem bekannten Lied einen ganz eigenen Zauber.
Lateinamerikanisches Temperament brachte schließlich „Brasilia“ in der Bearbeitung von Willi Münch in die Kirche. Schnelle Tonfolgen und zahlreiche Registerwechsel meisterte das Orchester souverän. Für besondere Begeisterung sorgte Schlagwerkerin Andrea Setz, deren mitreißende Samba- und Percussionrhythmen mit einem Sonderapplaus belohnt wurden.

Mit „Viva la Vida“ verabschiedete sich das Akkordeonorchester Kolbermoor zunächst vom Publikum. Die Begeisterung war jedoch so groß, dass eine Passage als Zugabe wiederholt werden musste. Klatschend und sichtlich bewegt feierten die Besucher die Musikerinnen und Musiker.
Besonders erfreulich: Einige Besucher, die zum ersten Mal überhaupt ein Akkordeonorchester erlebt hatten, zeigten sich beeindruckt von der enormen Klangvielfalt und den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments. Ein schönes Zeichen dafür, dass das Akkordeon auch heute nichts von seiner Faszination verloren hat.
